In-Depht-Learning oder tiefschürfendes, monothematisches Üben

Ich habe bis jetzt keine genaue Vorstellung davon, was genau In-Depht-Learning bedeutet. Das lässt sich natürlich ändern. Mir ginge es wahrscheinlich um etwas anderes, als sich dieser Begriff in mein Bewusstsein drängte.

Trance durch Reduktion

Angeregt wurde ich von George Leonhard. Auf Seite 76 in [amazon_textlink asin=’0452267560′ text='“Der längere Atem“*‘ template=’ProductLink‘ store=’DE001′ marketplace=’DE‘ link_id=’f9293586-5877-11e8-aebe-d1d4f8314cc3′] erinnert er sich an einen besonderen Unterricht:

„Unser Lehrer zeigte uns eine Technik, die Shiho nage (Vier-Richtungs-Wurf) heißt, und ließ uns zwei Stunden lang nur Variationen dieser einen Technik üben.

Nix für mich … Ich flieg nicht gern … Nicht so … Ansonsten …

Nach der ersten halben Stunde fragte ich mich, was wohl als nächstes käme, denn an unserer Schule wurde eine einzelne Technik nur selten so lange geübt.

Zum Ende der ersten Stunde hatte ich dann aber einen steten, Trance-ähnlichen Rhythmus gefunden, der all meine Gedanken an Zeit oder Wiederholungen ausgelöscht hatte.

Meine Wahrnehmung erweiterte sich dermaßen, dass kaum erkennbare Variationen von einem Wurf zum nächsten immer bedeutsamer und aufschlussreicher wurden.

Am Ende der zweiten Stunde wünschte ich mir, dass die Klasse bis Mitternacht weitergehen, dass sie nie aufhören möge.“

Das musste ich unbedingt ausprobieren.

Erste In-Depth-Learning Session

Und so startete ich am 3. Mai 2018 eine Session, in der ich nur Singles mit den Füßen auf dem Practice Pad gespielt habe. Sie dauerte 1 Stunde 45 Minuten.

Wie es mir damit ging, kannst du hier lesen.

Eine anderer Variante vertiefenden Lernens erprobe ich gerade mit Doubles.

Die Idee: Integriertes In-Depht-Learning

Noch weiter gehend bedeutet das: Alle grundsätzlichen Übungen (Rudiments, Bewegungsplan, etc.) mit In-Depht-Learning-Sessions üben.

Pro Woche ein Thema.

Was die Doubles aktuell angeht, lautet die Devise:

Alle Übzeit, die Rudiments zugeordnet sind, übe ich gerade Doubles – an der Fußmaschine. Darüber hinaus habe ich die Zeit für Rudiments erhöht.

Vom 11. bis zum 14.5. habe ich 197 Minuten Doubles an der Fußmaschine geübt. Das entspricht 49 Minuten pro Tag.

Und ich verrate dir was: Das kommt mächtig was ins Rollen. Und dennoch bleibt Respekt vor den langen 2 Stunden Sessions …

Begleitende Integration

Zur Situation: Zwischen den Übungseinheiten, die zwischen 10 und 30 Minuten dauern lege ich kleine Pausen ein. Normal.

Starte ich mit der nächsten Übung, habe ich folgendes regelmäßig beobachtet:

Ich fange mit Singles in einem innerlich gehörten Tempo an. Wie um mich warm zu spielen. Meistens natürlich zu schnell. Dann breche ich ab und starte die eigentliche Übung.

Im nächsten Schritt habe ich daraus eine 2-Minuten Einheit gemacht. Sozusagen um das Tempo, welches ich vorgelegt habe, sauber zu bekommen. Oder langsamer. Auf jeden Fall gleichmäßig.

Ok. Und die aktuelle Integration des vertiefenden Übens bedeutet, dass ich eben nicht Singles einbinde, sondern …

Doubles!

Weil in dieser Woche eben Doubles im Fokus des In-Depht-Learnings steht.

So einfach …

Erfahrung mit In-Depht-Learning

Zunächst merke ich, was alles noch nicht läuft. Ich brauche oft 15 Minuten, um überhaupt einigermaßen gleichmäßige Schläge hinzu bekommen.

Dann lichtet sich der Nebel etwas.

Ich kann die Dauer verlängern, in der die Schläge innerhalb des gewählten Tempos sauber werden.

Nun bemerke ich langsam Differenzierungen. Ich fange an zu experimentieren. Etwas mehr Druck auf den linken Fuß, dann auf den rechten. Dann links ganz laut und rechts nur ein leiser Tap und umgekehrt. Jetzt wieder so gleichmäßig wie möglich.

Und ja, richtig gleichmäßig geht nie.

Der Grund? Rechts/Links hört sich immer unterschiedlich an, obwohl die Schlegel nur wenige Zentimeter entfernt voneinander auf das Fell treffen.

Deswegen halte ich mir die Ohren zu.

So kann die ich Essenz des Schlages und seine Gleichmäßigkeit besser erfassen. Ich nehme an, das liegt daran, dass bestimmte Frequenzen durch das Körpergewebe ausgefiltert werden. Apropos Filter …

Etwas passiert

Die Abstände werden gleichmäßiger, genauso wie der Sound kontrollierter wird. Plötzlich fließt die Bewegung aus meiner Mitte in den Fuß. Besonders den Linken. Ich liebe ihn, diesen Konterpart. Er hat noch nicht die finale Kraft und Schnelligkeit des rechten, aber … es tut sich was. Wenn ich den rechten etwas zurückhalte, können beide auf hohem Lautstärke-Niveau wechselseitig spielen. Strecken und Dehnen der Füße, Fußgelenke, Wadenbeine und Oberschenkel, des Oberkörpers, der Schultern, des Genicks, der Arme, kräftig durch atmen, und weiter geht’s.

Ich spiele mit dem Tempo, erhöhe es, verlangsame es, lote die Grenzen indem ich mich 1, 2 oder gar 3 Minuten im Grenzbereich aufhalte.

In meinem.

So will ich spielen

Ich möchte einfach eine saubere, kontrollierte, leichte, flüssige, verlässliche, treibende, zurückhängende, punktgenaue, nachvollziehbare, fantasiereiche, überraschende, einzigartige, raffinierte, schnelle, langame Spielweise entwickeln.

Das braucht Zeit. Und …

Andacht zum Kleinen.

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