Also habe mal gegooglet, worum es mir geht. Finde leider nichts. Schlagzeug synchron spielen – was meine ich damit? Jedenfalls bin ich durch Andy Witte, meinem Schlagzeuglehrer vom Drummers focus in Stuttgart darauf aufmerksam geworden: Tony Royster Jr. empfehle diese Spielweise intensiv zu üben. Klingt nach ’nem Plan.
Paradoxe Intervention – funktioniert bei mir
Es gibt immer wieder Dinge, bei denen Andy sagt: „Ach, lass mal. Das klingt komisch. Oder ist schwer.“ Sie scheinen bei mir einen Reflex auszulösen. Ich will dann genau das beherrschen. Krank, oder?
So war es auch, als ich irgendeine Übung vorspielen wollte. Es war zu meiner Fußgelübde-Zeit. Ich setzte an und spielte beidfüßig. Andy: „Ach, lass mal. Das ist schwer. Man hat dabei immer eine Art Flam.“
Hätte er nicht sagen sollen.
Denn nun übte ich Schlagzeug synchron spielen systematisch.
Um keine Übungszeit zu verschwenden, hatte ich schon bisher einige Übungen unisono geübt. In Erinnerung hatte ich auch, dass ein südamerikanischer Percussionlehrer gesagt hat, dass die Kinder immer zuerst synchron üben.
Der Sound beim Schlagzeug synchron spielen
Doch jetzt wollte ich mir bewusst Zeit dafür nehmen. Dabei entdeckte ich schnell, dass ich einen ganz speziellen Sound produzieren kann. Er ist ganz genau definiert. Ich weiß also auch, wann er mir nicht gelungen ist.
Dieser Sound entsteht dann, wenn beide Schlegel der Fußmaschine (ich befinde mich immer noch in der Zeit des Fußgelübdes) absolut synchron auftreffen.
Mikro Flam als Kontrollinstanz
Treffen die Schlegel nur um Millisekunden versetzt auf, verflüchtigt sich dieser besondere Sound. Dadurch weiß ich also genau, wann ich synchron spiele und wann nicht. Der Anschlag-Sound wird dann durch den winzigen Versatz hart. Was – wenn gewollt – auch gut klingt.
Und so klingt der besondere Sound
Weich, smooth. Das Aufklatschen der beiden Schlegel scheint sich gegenseitig zu eliminieren. Ich nehme es jedenfalls kaum noch wahr. Dafür breiten sich die Bässe der Bass Drum weich, mächtig und füllig in den Raum aus. Es klingt sehr befriedigend.
Aber es ist hart, diesen Sound zu schaffen. Es kommt mir immer vor wie Gold waschen. Ein paar Nuggets (reine Sounds) abschöpfen sozusagen. Am Anfang lag der Abschöpfungsanteil bei 5 % bei 25 BPM. Natürlich wird er größer mit zunehmender Übung. Aber ich finde, es ist viel Geduld notwendig.

Manchmal gerate ich auch in eine Phase in der ich aus einem Mikro-Flam nicht heraus komme. Einzig Tempo verlangsamen hilft. Und dann setzt so eine Art Flow ein. Die Bewegung des rechten und linken Fußes sind plötzlich klar und folgen einem eigenen Schwung. Jetzt klingt es richtig. Glücklicherweise gelingt es mir immer öfter.
Und so sieht mein Übungsplan ‚Schlagzeug seitig synchron spielen‘ aus. Pro Takt z. B. 1 Minute bei 30 BPM.

Schlagzeug synchron spielen mit Gary Chester The New Breed Melodie 1-B
Nun bin ich soweit warm gespielt, dass ich zum akzentuierten Spiel wechsle. Als Melodie verwende ich Gary Chester. Ich spiele die 1-B als 1/8 und schlage jede 1/8 an. Die Notenwerte sind betont, die anderen laufen als Floor leise, gleichmäßig (sollen sie zumindest). Beide, die betonten und die nicht betonten sollen ihren besonderen Sound durch das Synchronspielen erhalten. Was soll ich sagen? Langsames Tempo (ca 60 BPM), pro Zeile 1 Minute und zum Abschluss zwei Durchgänge.

Erfolg mit Schlagzeug synchron spielen
Den merke ich auf jeden Fall. Die gemeinsamen Aufschläge landen einfach präziser. Auch bei unterschiedlicher Instrumentierung (Hi-Hat, Bass Drum). Sogar auf Singles oder Doubles beobachte ich eine positive Auwirkung. Ich werde diese Übung auf jeden Fall noch lange machen.
Einbindung in den täglichen Übungsplan
Schlagzeug synchron spielen steht im Übungsplan zur Zeit (Dezember 2018) an dritter Stelle.
- Rudiments
- Bewegungsplan 1.1 mit Doubles
- Schlagzeug synchron spielen
Damit ist mein Aufwärmen (ca 50-60 Minuten) abgeschlossen.
Fazit
Ich finde diese Übung sehr effektiv, das ich beide Füße gleichzeitig konditioniere, die Genauigkeit zuverlässig kontrollierbar ist, präzises Spiel gefördert wird. Aber auch das Lauschen auf den Sound empfinde ich als wertvoll, denn so schule ich mein Hören.
Anmerkung zu Tony Royster (linear statt synchon)
Ganz ehrlich?! Ich konnte kein Interview finden, in dem Tony Royster Jr. etwas über Schlagzeug synchron spielen sagt. Nada. Außer zum Gegenteil, dem linearen Spiel … Und zwar hier auf Drumeo:
„Bei der Analyse von Tony Roysters Drumming ist es sehr leicht, sich durch seine technischen Fähigkeiten beim Fills oder Solos zu faszinieren.
Seine Kombination von Hand zu Fuß ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie cool es ist, lineare Patterns auf dem Schlagzeug zu spielen.
Linear bedeutet, dass kein Glied gleichzeitig eine Note spielt.
Die häufigste Kombination von Hand zu Fuß umfasst die Verwendung von Bass Drum, Toms und Snare Drum. Dies ist zu einem Standard in der Welt des Trommelns geworden.
Dennoch ist es von Zeit zu Zeit möglich, Tony aufzuspüren, indem er die Hi-Hat und die Becken anstelle von Tom- und Snare-Hits verwendet. Für eine zusätzliche Herausforderung können Sie den Hi-Hat-Fuß anstelle der Bassdrum verwenden, um Ihrer Fuß-Fuß-Kombination eine andere Textur und neue kreative Ideen hinzuzufügen.“
http://www.drumlessons.com/drummers/tony-royster-jr/
Mit diesem Thema werde ich mich noch beschäftigen.

