Für das Pfingstwochenende haben wir – meine Süße und ich – uns zum TaKeTiNa – Workshop mit Reinhard Flatischler angemeldet. Genau wie letztes Jahr. Insofern wussten wir, was auf uns zu kommt: viel Üben und wenig Können. Warum Üben und Können-Wollen aber der falsche Ansatz ist, wurde mir erst am Ende des Workshops klar.
Die Anreise lief super. Wir kannten ja schon die Wege. Also waren wir pünktlich da, um unsere Insel im Saalbau des BIKUZ in Frankfurt Höchst zu beziehen.
Konzentriert und entspannt ging es Punkt 11 in die erste Runde. Reinhard Flatischler lenkt das Geschehen mit den exakt erforderlichen Worten – da ist keines zuviel. Das empfinde ich als wohltuend – und wichtig, bei 70-80 TeilnehmerInnen. Tania Bosak würde die Surdo schlagen.
In den nächsten drei Tagen alle Zeit der Welt für den Rhythmus
Wir konnten uns also auf ein langes In-Depht-Learning einlassen.
Reinhards Ansage: „Ich werde euch aus dem Rhythmus bringen. Ich werde euch zeigen wie schön, wunderbar und wichtig Herauskommen ist.“
Dazu werden wir komplexe, lebendige Rhythmen kreieren, mit der Stimme, den Füßen, den Händen und den anderen Teilnehmerinnen.
Sozusagen das genaue Gegenteil von dem, was ich in den Übungs-Sessions alleine im Keller treibe, wenn ich sinnlos Patterns klopfe …
Und am Ende werde ich mich fragen, wie ich das Eine mit dem Anderen verbinden kann.
Denn die Komplexität überlagerter Rhythmen (Polyrhythmen) fasziniert mich, seit ich mich im Domicil in den 1980ern Alphonse Mouzons Schlagzeug ergeben habe.
Die erste Reise
Damit du dir ein Bild machen kannst, wie so eine Rhythmus-Reise aussieht und wichtiger noch, sich anhört, habe ich hier ein Beispiel-Video eingefügt.
Mach doch einfach mal mit!
Und?
Wie ging es dir damit?
Sätze von Reinhard Flatischler:
„Der Rhythmus ist schneller als unserer Gedanken.“
„Das Wichtigste im Rhythmus ist die Pause. Wie gehe ich mit Pausen in meinem Leben um?“
Ein Teilnehmer: „Wenn ich denke, ich habe es, komme ich raus. Ich bin frustriert!“
Reinhard: „Super! Lass es zu. Geh raus. Geh wieder rein. Wieder raus. Habe Freue am Raus-Kommen, genieße es! Sei neugierig. Schaue es dir an! Je öfter du raus kommst, um so öfter kommst du wieder rein.“
„Tretet immer wieder einen Schritt zurück und schaut/hört hin! Bemerkt es, freut euch drüber.“
„Raum ist das Einzige, was alles mit allem verbindet.“
Wie es mir erging?
Ganz ehrlich? Teilweise war ich wirklich auch frustriert. Ins Sprechen komme ich leicht. Die Füße, das geht auch noch. Genauso Klatsch-Akzente setzen. Aber Winken während die eine Hand eine den Rhythmus betonende Geste macht?! Sieht so aus:
jerZaösjd hföou qn m eüüWRuhö 320asluaw öl
Sprich neurologischer Totalausfall …
Und wenn Reinhard dann zum Berimbau* greift und singt, kann ich vielleicht noch die ersten Strophen mitsingen. Ab dann heißt es:
Volle Konzentration auf das Wesentliche – Silben, Schritte und Klatschen.
Andere tun sich da leichter. Ich aber weiß wieder ganz genau, warum ich mir ausgerechnet das Schlagzeug ausgesucht habe …
„Legt euch hin und lauscht …
… wann immer euch danach ist.“ sagt Reinhard Flatischler oft.
Immerhin: Diese Position hilft, den Rhythmus aufzunehmen, zu verarbeiten und zu verinnerlichen. Ich befand mich oft in dieser Lage …

Und so war das Erlebnis:
Meine Notizen dazu
Ich war frustriert aus einer Übung ausgestiegen, habe mich zunächst hingelegt und gelauscht. Das ist auf jeden Fall beeindruckend. Dann habe ich meine Gedanken notiert:
„Also ich finde das wirklich schwer. Wenn, dann will ich es auf meine Weise lernen. D. h., ich brauche Vorbereitung, Systematik und Übung. Sonst empfinde ich es als unbefriedigend. Und davor brauche ich das OB. Die Antwort auf die Frage: Warum? Wozu? Weil es mir Spaß macht? Weil es das U im GAUST ist? Weil ich mir verspreche, rhythmische Weisheit zu gewinnen? Polyrhythmen zu verstehen?
Andererseits … Der Sound ist so ethno …Nicht ganz meins. Ich steh auf elektrisch. Aber das ist eigentlich egal. Es geht um meine Koordinationsschwäche, dich schon immer mit mir herum trage. Die schwere Seite, wegen derer ich 10KHDRUM begonnen habe.
Will ich an diese Schwäche heran? Hilft es mir beim Schlagzeug spielen?
Kann ich rhythmisches Gefühl überhaupt lernen?
Also ich weiß, dass meine Variationsmöglichkeiten steigen, wenn ich mich sicher fühle. Aber noch habe ich die Sicherheit nicht. Ich bin kein Naturtalent. Ich bin krampfig und kopfig. Ich habe selbst in so langen, scheinbar monotonen Rhythmusreisen noch nicht geschafft, das auszuschalten.“
TaKeTiNa am Schlagzeug üben?
Nein. Ein Instrument hat seine eigenen Erfordernisse an z. B. Sitzhaltung. TaKeTiNa könnte dabei durchaus unangemessen sein. Ich verstehe das so: TaKeTiNa praktizieren wirkt sich auf das Üben/Spielen des Instrumentes aus, es erweitert die Wahrnehmung des Übens und Spielens.
Aber ich werde es selber noch genauer untersuchen.
Automatisieren vs Autonomisieren
Durch regelmäßiges Üben des Instrumentes werden die Bewegungen der jeweiligen Gliedmaßen autonom. Sie spielen sozusagen selbst, unabhängig von den anderen und doch im Einklang. Das ist etwas anderes als automatisiertes Spielen.
Atemübungen Pranayama
Den Geist beruhigen und die Kette beeinflussen, die in mir als Orchester arbeitet: Mit Atem- und Rhythmusübungen.
Links
Apps im Google Play Store
Box Breathing
Atemübung mit TaKeTiNa
Einatmen
„Ga Ma La Ta Ki Ga Ma La Ta Ki“ einatmen „…Ta Ki Ga Ma La Ta Ki“
Relative Koordination
Lockere Form der Koordination, weder durch strenge Abhängigkeit noch durch völlige Unabhängigkeit gekennzeichnet.
Frage an Reinhard Flatischler
„Du sagst ganz oft, dass jeder Mensch Rhythmus in sich hat. Warum tue ich mir so schwer damit?“
Reinhard: „Weil Gott dir den freien Willen gegeben hat. Mit TaKeTiNa öffnest du deine rhythmische Veranlagung. Und der Sprengsatz ist die Chaosphase, wenn du scheiterst.
Wir haben eine so tiefe Abneigung gegen das Herausfallen, gegen das Scheitern. Dadurch entgehen uns so viele Gelegenheiten, wieder rein zu kommen.
Wenn du gelernt hast, dich einem Kind gleich dem Nichtwissen lustvoll hinzugeben entsteht etwas Neues. Liebe die Neugier!
Deswegen beginne das Herausfallen und die Unsicherheit zu genießen. Sie bilden das Tor zum tiefen Können.
Wir wollen immer alles Können.
Aber wozu willst du TaKeTiNa können?
TaKeTiNa führt uns zu dem was wir eigentlich schon sind, hilft uns zu dem, was wir in unserem Leben finden können.
Wir verstecken uns in den Overlays, deswegen sieht die Welt so aus, wie sie sich uns darstellt. Wissen, dass wir perfekte rhythmische Wesen sind, führt uns zu Heilung und Liebe. Mit Rhythmus gelangen wir auf Core-Platine des Lebens.“
Bämm!
Das ist die Antwort. Ich muss TaKeTiNa nicht auf Kay-Art wollen und können. Es genügt, es zu tun. Zu erleben. Heraus zu fallen. Wieder herein kommen.
Das werde ich auf jeden Fall praktizieren. Und dieses Buch wird mich dabei unterstützen:
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Mein Fazit zum TaKeTiNa-Workshop mit Reinhard Flatischler
Ok, ich gebe zu … die Notizen sind nicht sehr systematisch. Es gab auch nicht wirklich viel Gelegenheiten zum Mitschreiben, denn meistens waren wir auf Rhythmusreisen. Das war anstrengend und kräftigend zugleich. Niemals langweilig, immer spannend.
Besonders beeindruckend empfand ich die Reisen, wenn ich auf dem Boden lag und die Augen geschlossen, zuhörte, mitschwang.
Wenn die anderen den Rhythmus schritten, klatschten und sangen. Wenn die Surdo das Maß vorgab, der Berimbeau das Time aufwirbelte, Reinhards Stimme vorsang und die Stimmen der anderen die Antwort gaben.
Dann entstand ein Rhythmus der einerseits tief und ruhig war und andererseits die ganze Lebendigkeit des Lebens reflektierte.
Es entfaltet sich
Im Nachklang, am Abend, in die Nacht hinein, hörte ich mit meinem inneren Ohr wilde Schlagzeugfantasien, die sich auf den Rhythmen des vergangenen Tages ausbreiteten.
Wenn die Reise dahin geht, hat sich dieses Wochende mehr als gelohnt!

